Überholte "Führung"

Führung heute verdient diese Bezeichnung oft gar nicht. Besser wäre der Begriff Lenkung oder Steuerung. Für viele besteht Führung darin, wie man andere Leute dazu bekommt, dass zu tun, was man möchte. Die Pyramide ist noch tief in uns verankert. Wir glauben noch an den "one best way" des Taylorismus. Das Meisterprinzip geht davon aus, dass es der Chef immer besser weiß. Statt zu sagen "ich weiß es nicht", wird geblockt und jede Initiative krampfhaft vermieden. Somit werden immer noch die besten Sachbearbeiter zu Führungskräften, anstatt das Führung als eine Profession angesehen wird. Geführt wird durch Anweisung und Kontrolle, Machtdenken ist das vorherrschende Prinzip. "Command & Control" hat aber nichts mit Führung zu tun.

Taylorismus oder Scientific Management beschreibt durch ein betriebswirtschaftliches Rationalisierungsmuster die Optimierung der Arbeitsproduktivität. Durch diese Rationalisierung werden unternehmerische Potentiale der Mitarbeiter untergraben. Dies geschieht durch die fast vollständige Teilung der Arbeit, da im Sinne von Taylor der “Störfaktor” Mensch so weit wie möglich auszuschalten ist. Taylor argumentiert, dass Irren menschlich ist und somit jeder Mensch Fehler mache, aus diesem Grund sollten diese Fehlerquellen aus dem Unternehmen entfernt werden.

[Ganz im Gegenteil dazu brauchen wir heutzutage Fehler - wenn keine Fehler gemacht werden, hat auch niemand etwas Neues probiert - Innovation ohne Misserfolge gibt es nicht.]

Dies kann laut Taylor durch eine Rationalisierung, also die Substitution des “Störfaktors Mensch” durch fehlerfreie (wirklich?) Maschinen erreicht werden. Die Arbeitsteilung besteht einmal darin, Planung, Ausführung und Kontrolle voneinander zu trennen (vertikale Arbeitsteilung), was gleichbedeutend mit der Trennung von Denken und Handeln ist, und zweitens durch die radikale Vereinfachung der Arbeit (horizontale Arbeitsteilung).

Eine Identifizierung mit der eigenen Wertschöpfung ist unmöglich geworden, es wird nicht mehr gelebt um zu arbeiten, sondern gearbeitet um zu leben. Alle Initiative und Kreativität fließt so nicht mehr in den monotonen und stumpfen Arbeitsprozess, sondern in die Zeit außerhalb der Arbeitszeit, nämlich die Freizeit. So ist es kein Wunder, dass Menschen mit dieser Arbeitsform (und zwar nicht nur in der Fabrik, sondern auch im Büro), keine unternehmerische Initiative aufbringen wollen, weil sie nämlich gar nicht sollen bzw. dürfen.

Was wir brauchen, ist weniger Management, dafür aber mehr Führung. Und zwar keine Führung, deren einziges Credo "Planung, Planung, Planung - Kontrolle, Kontrolle, Kontrolle" lautet, sondern Führung für selbstbestimmte Menschen.

Dialogische Führung statt Monologische Führung.
Leadership statt Management.


Nächster Abschnitt: Dialogische Führung


Das Thema interessiert Sie? Treten Sie in Kontakt


Zum Seitenanfang

“Wir werden gewinnen, und der industrielle Westen wird verlieren. Da können Sie gar nicht viel dagegen tun, weil der Grund des Versagens in Euch selber liegt. Nicht bloß Eure Firmen sind nach dem Taylorschen Modell gebaut, sondern, und das ist viel schlimmer, auch Eure Köpfe. Wenn Eure Bosse das Denken besorgen und Eure Mitarbeiter die Werkzeuge schwingen, so seid Ihr im tiefsten Inneren davon überzeugt, dies sei der einzig richtige Weg, ein Unternehmen zu betreiben. Für Euch besteht Management darin, die Ideen aus den Köpfen der Manager in die Köpfe der Mitarbeiter zu bringen. Wir hingegen sind jenseits des Taylorismus.”

Konoske Matsushita


“Als wir den Sinn unserer Arbeit nicht mehr sahen, begannen wir über Motivation zu reden.”


"Aufstand des Individuums" von Reinhard K. Sprenger


Man kann ein Problem nicht mit den gleichen Denkstrukturen lösen, die zu seiner Entstehung beigetragen haben.

- Albert Einstein -